Döner Kebab - Völkerverständigung, die durch den Magen geht
Wahrscheinlich hat kein Regierungsprogramm einen solchen Beitrag zur Integration türkischer Mitbürger geleistet wie der Döner. Die meisten Besucher von Döner-Imbiss-Ständen sind Deutsche. Bei so großer Beliebtheit ist natürlich der Markt hart umkämpft. Kein Wunder also, dass sich inzwischen das Rechtswesen immer öfter mit dem türkischen Fastfood beschäftigt. Der (erfolglose) Versuch eines Unternehmens, den Namen "Döner Kebab" als Marke beim Patentamt eintragen zu lassen, um dann bei einer größeren Anzahl von Döner-Imbiss-Stuben eine monatliche Lizenzgebühr einzutreiben, ist nur ein Beispiel.
Ein paar Zahlen
Nicht McDonalds oder die Bratwurst ist des Deutschen liebstes Fastfood-Gericht, sondern der Döner Kebab. Bundesweit produzieren über 9.300 Betriebe am Tag ca. 200 bis 300 Tonnen Döner. Der Umsatz betrug 1998 über 3 Milliarden Mark. Das ist mehr als McDonalds, Burger King und Wienerwald zusammen in diesem Jahr verkauft haben. Und das, obwohl der Kebab erst Anfang der 70er Jahre seinen Siegeszug antrat.

 
Was darf alles in einen Döner rein?
Die Begeisterung für den Kebab machte es irgendwann notwendig festzulegen, was in einen echten Döner hinein gehört und was nicht. Die Überlegungen wurden in der 1991 in Kraft getretenen "Berliner Verkehrsauffassung" festgehalten. Nicht umsonst stammt diese Regelung aus Berlin. Handelt es sich doch nicht nur um die Bundeshauptstadt, sondern auch die "Dönerhauptstadt" der Republik. Nirgendwo anders tobt der Preiskrieg so hart wie in Kreuzberg und Wedding. Der Selbstkostenpreis liegt zurzeit bei 3,75 DM. Manche Ladenbesitzer verkaufen ihren Döner aber für 2,50 DM oder 3,00 DM, um neue Kunden zu gewinnen. Bei solchen Dumpingpreisen wundert es nicht, dass der eine oder andere Spieß mit anderen Zutaten als Fleisch gestreckt wird. Laut der Berliner Verkehrsauffassung darf ein Döner Kebab aus maximal 60% Hackfleisch bestehen. Die restlichen 40% müssen aus sogenanntem Scheibenfleisch, also ganzem Fleisch, bestehen. Der Fettanteil ist auf 20% begrenzt.
Natürlich kann man den Döner auch ganz aus Scheibenfleisch herstellen. Türkisch heißt das gefüllte Fladenbrot dann Yaprak. Diese Variante wird im Süden Deutschlands bevorzugt, während der Hack-Döner im Norden mehr Gefallen findet.

 
Schwein, Lamm oder Rind?
Ebenfalls in der Berliner Verkehrsauffassung festgelegt ist, aus welchem Fleisch ein Döner bestehen darf. Hinein darf danach Kalb, Rind oder Lamm bzw. Schaf. Schwein sollte demnach nicht zu finden sein. Untersuchungen in Berlin ergaben aber, dass die Chance einen "rechtlich einwandfreien" Döner zu erhalten, nur 50% betragen. Vor einigen Jahren war man sogar nur in 10% aller Fälle erfolgreich.
Gehört nicht in einen Döner!
Meist liegt hier der Hackfleischanteil zu hoch, mitunter wird aber auch billigeres Fleisch vom Schwein verwendet. Geschmacklich ist der Unterschied jedoch häufig nicht feststellbar, da das Fleisch in der Regel stark gewürzt ist.
Das Duden Fremdwörterbuch von 1990 beschreibt den Döner als einen "Kebab aus an einem senkrecht stehenden Spieß gebratenem, stark gewürztem Hammelfleisch". Mit dieser Beschreibung ist allerdings eher das türkische Original gemeint, bei dem tatsächlich nur Lamm oder Schaf erlaubt sind. Damit wäre auch schon die Frage der Herkunft angesprochen. Anders als viele Menschen glauben, wurde der Döner nicht in Berlin erfunden, sondern im 18. Jahrhundert in der Türkei erstmals erwähnt. Dort wird er allerdings nicht als Fastfood im Viertel Fladenbrot, sondern als Hauptmahlzeit mit Reis und einer scharfen Soße serviert.

 
Döner versus Fritten - Was ist "gesünder"?
Original Döner
Wer gelegentlich Fastfood isst, muss sich eigentlich keine Gedanken um seine Gesundheit machen, wer häufig zu Pommes, Burger und Döner greift, sollte sich vielleicht doch mal die Inhaltsstoffe der schnellen Mahlzeiten ansehen.
Die Zeitschrift Natur hat 1998 einmal versucht, typische Fastfood-Gerichte nach ihrem gesundheitlichen Wert zu beurteilen. Die ehemalige Fastfood Nr. 1, die Bratwurst, kam dabei aufgrund ihres Fettgehaltes und der fehlenden Vitamine und Mineralstoffe, sehr schlecht weg. Der Döner Kebab hingegen wurde besser beurteilt. Besonders die fettarme Variante mit Putenfleisch fand das Gefallen der Tester. Im Wesentlichen ist aber das enthaltene Gemüse und die Joghurtsoße für das gute Abschneiden verantwortlich, da damit Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Kalzium geliefert werden.
Weniger gut fällt allerdings der Kaloriengehalt eines Döners auf. In der klassischen Variante (ohne Putenfleisch) liefert er mit bis zu 700 kcal für eine 168 cm große und 68 kg schwere Person schon 1/3 der Tageskalorien.

 
Sicherheitshinweise
Döner-Grill-Station
Dadurch, dass im Döner Hackfleisch enthalten ist, fällt er rechtlich unter die Hackfleischverordnung. Diese Verordnung wurde für schnell verderbliches Fleisch erlassen, das besonders anfällig für den Befall mit Salmonellen und anderen Krankheitserregern ist.
Für den Kebab bedeutet das, dass ein Spieß, der schon mal 150 kg wiegen kann, an einem Verkaufstag verbraucht werden muss. Was am Ende der Öffnungszeit noch übrig ist, muss theoretisch weggeworfen werden, es sei denn, dass der Spieß vollständig durchgegart worden ist. Aber wer will das schon mit letzter Sicherheit beurteilen?
Wer also zu den Menschen gehört, die auch morgens schon Döner essen können, sollte stutzig werden, wenn der Spieß schon sehr dünn ist. Dann wird er nämlich zumindest vom Vortag sein.
Hygienisch sehr problematisch macht den Döner die Art der Zubereitung. Während die äußere Schicht vom Grill gut durcherhitzt wird, finden sich im Inneren Temperaturen von 30 bis 40 C. Ideal für das Wachstum von Krankheitserregern. In Stoßzeiten kann es daher schon mal vorkommen, dass auch nicht ganz durchgegartes Fleisch in das Fladenbrot wandert. Laut Aussage von Dr. Klare von den Berliner Betrieben für zentrale gesundheitliche Aufgaben ist aber die gesundheitliche Gefahr relativ gebannt.
Wer also sicher gehen will, sollte darauf achten, dass vom Spieß keine zu dicken und vor allem keine rosafarbenen Fleischstücke abgeschnitten werden. Besonders vorsichtige Menschen sollten die Dönerstände zu Stoßzeiten meiden.

 
Döner-Manie
Türkische Flagge
Wer wissen will, wie weit die Döner-Manie gehen kann, muss nur einen Blick nach Berlin werfen. Dort gibt es seit einiger Zeit die erste "Döner-CD" der Welt zu kaufen. Zu hören sind 4 Berliner Bands, bestehend aus Türken der zweiten Generation, die Rap und Multi-Kulti-Musik präsentieren. Der Produzent dachte sich: "In Restaurants in China verkaufen sie auch Kassetten mit Liedern ihrer Interpreten. Das können wir doch auch in Berlin."
Die CD hat übrigens die Form eines Dönerspießes...
 
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